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Psychologischer Bericht

ERSTELLT VON SIR JAMES MOLONEY AUF DER BASIS VON PERSONALINTERVIEWS


Missionsspezialist Bond ist ein Typ für sich. Er erscheint geistig gesund und seelisch äußerst robust zu sein.


Im Alter von elf Jahren verlor er bei einem Kletterunfall beide Eltern. Dieses Erlebnis prägt ihn zutiefst. Und in seinen späten Teenagerjahren starb auch seine Tante Charmain Bond, seine letzte nähere Verwandte. Wie die meisten Menschen, die in der Jugend ihre Eltern verlieren, hat auch Bond Angst davor, im Stich gelassen zu werden. Er geht kaum dauerhafte Beziehungen ein, weder mit Männern noch mit Frauen. Er gibt vor, sich noch nie verliebt zu haben. Er unterhält keine Freundschaften, die auf die Zeit vor dem Tod seiner Eltern zurückgehen, und hat auch mit Freunden aus seinen späteren Teenagerjahren nur äußerst unregelmäßig Kontakt.


Bonds einzige engere Beziehung zu einem Erwachsenen aus seinen späten Teenager- und frühen Twen-Jahren - einem gewissen Hannes Oberhauser aus dem österreichischen Kitzbühel – endete, als Oberhauser unter mysteriösen Umständen verschwand. Er hat Oberhauser als seinen zweiten Vater bezeichnet.


Bond hat angeblich nur wenige Erinnerungen an seine Jugend auf dem europäischen Festland. Er ist nicht nostalgisch, sondern lebt voll und ganz in der Gegenwart. An sein Alter und sein Rentnerdasein verschwendet er kaum einen Gedanken; er glaubt anscheinend, so lange werde er sowieso nicht leben.


Bond hat keine Angst vor dem Tod. Obwohl er überzeugend behauptet, nie an Selbstmord gedacht zu haben, legt er eine bemerkenswerte Bereitschaft an den Tag, möglicherweise tödliche Gefahren auf sich zu nehmen.


Bond ist ein Einzelgänger. Trost sucht er nicht bei anderen Menschen. Sportlich betätigt er sich meist allein, mit Laufen, Skilaufen, Wandern, Schwimmen, Tauchen und, was am auffälligsten ist, Bergsteigen und Klettern.


Als er im Rahmen eines Austauschprogramms mit Fettes die Genfer Universität besuchte, führte er eine Expedition auf jenen Berg, an dem seine Eltern ums Leben gekommen waren. Er zog die Besteigung mit seinen Freunden offenbar durch, ohne ihnen von seiner persönlichen tragischen Beziehung zu diesem Ort zu erzählen.


Bond geht liebend gern bis an seine Grenzen, sowohl mental als auch körperlich. Ich kenne noch ein paar andere Fälle, bei denen, wie bei Bond, der Stresspegel sogar sinkt, wenn viel auf dem Spiel steht. Wenn er nicht gefordert wird, neigt er zu Langeweile und leichten Depressionen. Bond trinkt und spielt gerne, wobei Ersteres jedoch weniger ein echtes Laster zu sein scheint als dem Zweck zu dienen, gelegentlich seine persönlichen Grenzen auszuloten. Es ist bekannt, dass Bond zuweilen mehr aufs Spiel setzt, als er sich eigentlich leisten kann; er hat jedoch, wenn er spielt, stets einen Plan und kennt seine Chancen.


Bond besitzt ausgezeichnete interpersonelle Fähigkeiten. Er agiert in den unterschiedlichsten Situationen kompetent, sucht jedoch außer zur sexuellen Entspannung nicht die Gesellschaft anderer. Sein Naturell des einsamen Wolfs wirkt auf andere jedoch oft gerade anziehend.


Bond ist zielorientiert, setzt zur Erreichung der Ziele aber oft indirekte und undurchschaubare Mittel ein. Er hält viele Bereiche seines Lebens peinlich genau getrennt und sorgt dafür, dass seine emotionellen Probleme aufgrund des Verlustes seiner Angehörigen niemals mit seinem Berufsleben in Konflikt geraten. Bond scheint ein emotionelles und seelisches Bedürfnis nach mehreren Realitätsebenen zu haben. Es macht ihm Spaß, nicht alles von sich preiszugeben, und er organisiert die Aspekte seiner Persönlichkeit, die er enthüllt, sehr sorgsam. Bond hat eine wahre Meisterschaft darin entwickelt, Informationen, die er nicht preisgeben möchte, zu verdecken. Das dürfte ihn unter praktisch allen Umständen zu einem guten Sicherheitsrisiko machen, sollte er je verhört werden.


Bond braucht ein klar strukturiertes Leben mit festen Verhaltensweisen und Gewohnheiten. Er hat einen stark ausgeprägten Geschmack. Das ist ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Er braucht zu seinem Wohlbefinden Strukturen, rebelliert jedoch gleichzeitig auf subtile Art und Weise gegen eben diese Strukturen. Er ist nicht selbstzerstörerisch, kann für seine Vorgesetzten jedoch eine Herausforderung darstellen.


Bond nutzt seinen Humor als Schutzschild und als Waffe. Er ist ein Meister beißender Bemerkungen, die Unsicherheiten anderer enthüllen oder den Tod, Gefahren und Risiken ins Lächerliche ziehen.


Vor allem jedoch ist Bond gegenüber Institutionen loyal. Nach dem Tod seiner Eltern wandte er sich seinen britischen und schottischen Wurzeln zu. Seine gefühlte Nationalität ist ein wichtiger Teil seiner Identität. Sie spiegelt sich in manchen seiner gesellschaftlichen Einstellungen wider, die sich eine britische Identität der jüngeren Vergangenheit zu Eigen machen. Wenn man ihn drängt, scheint er sich verpflichtet zu fühlen, "das Königreich zu schützen", "der Königin zu dienen" und den Idealen des mythischen Heiligen Georgs Geltung zu verschaffen.


Für James Bond ist die Welt zwar keineswegs nur schwarz-weiß, er neigt jedoch dazu, sie in den starren Begriffen von Chaos und Ordnung, Tradition und Wandel zu sehen. Und Bond hat beschlossen, sich mit Ordnung und Tradition zu identifizieren.


ZUSAMMENFASSUNG


Missionsspezialist Bond ist ein hervorragender Kandidat für die vertrauliche und heikle Arbeit bei einem Nachrichtendienst.